pädquis bietet ab November eine sechsteilige Weiterbildung zur Sprachförderung an – in Kooperation mit der Mildenberger-Akademie. Wie ist dieser Kurs entstanden?
Die Zusammenarbeit mit der Mildenberger-Akademie ist aus einer gemeinsamen Überzeugung entstanden: Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Sprachförderung müssen so pragmatisch wie möglich in die Kitas! Wir haben deshalb ein Lernformat entwickelt, das Fachkräfte berufsbegleitend absolvieren können und ihr professionelles Handeln im pädagogischen Alltag stärkt.
„Sprachförderung im Übergang von der Kita zur Grundschule“ – warum ist genau dieser Übergang so entscheidend?
Die Forschung ist eindeutig: Bildungschancen beginnen sich sehr früh auseinanderzuentwickeln. Bereits im Alter von sechs Jahren lassen sich bedeutende Unterschiede in den sprachlichen und kognitiven Kompetenzen von Kindern nachweisen – und die Unterschiede bleiben über die Schulzeit hinweg oftmals bestehen. Besonders betroffen sind Kinder aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte und aus sozial benachteiligten Familien.
Das bedeutet für den Übergang: Kita und Grundschule MÜSSEN aufeinander aufbauen und dürfen keine getrennten Welten sein. Was im Kindergarten grundgelegt wird – sprachliche Neugier, Bildungssprache, Literacy – wird in der Schule weiterentwickelt. Wenn dieser Übergang nicht aktiv gestaltet wird, verlieren wir wertvolle Zeit. Zeit, die manche Kinder nicht haben oder nicht mehr aufholen können.
„Alltagsintegrierte Sprachförderung“ ist ein zentraler Begriff in diesem Kurs. Was bedeutet das – und was ist der Unterschied zu dem, was viele Fachkräfte bisher unter Sprachförderung verstanden haben?
Viele denken bei Sprachförderung an ein zusätzliches Angebot: eine regelmäßige Kleingruppeneinheit, in der ein strukturiertes Förderprogramm durchgearbeitet wird und die separiert vom Regelangebot stattfindet. Das ist das, was wir additiv nennen – und das muss auch durchaus seinen Platz haben.
Alltagsintegrierte Sprachförderung denkt aber anders. Sie geht davon aus, dass der pädagogische Alltag selbst voller sprachlicher Gelegenheiten steckt – beim Anziehen in der Garderobe, beim Spielen, beim Essen. Eine Fachkraft, die alltagsintegriert fördert, nimmt diese Momente bewusst wahr und gestaltet sie sprachförderlich.
Zusätzlich ist wichtig, dass diese Förderung adaptiv ist – also angepasst an den individuellen Sprachstand jedes einzelnen Kindes. Adaptiv bedeutet, dass nicht nach Schema F vorgegangen wird, also nicht dasselbe für alle angeboten wird. Alles wird gezielt auf das jeweilige Kind abgestimmt, auf seine Entwicklungsbedürfnisse. Grundlage hierfür ist eine systematische Sprachstandserhebung, durch die die Fachkraft erst weiß, was das einzelne Kind braucht. Denn erst dann kann sie genau die Fragen stellen, die das Kind braucht, um in seiner Entwicklung voranzukommen. Sie modelliert sprachliche Strukturen, die das Kind noch nicht beherrscht, aber bereits verstehen kann.
Zusammengefasst kann man sagen: alltagsintegriert beschreibt das Wann und Wo, adaptiv das Wie. Beides zusammen ist das, was wirksame Sprachförderung ausmacht – und Kern dieses Kurses.
Die Weiterbildung startet mit den Grundlagen des Spracherwerbs – über zwei Module. Warum brauchen selbst erfahrene Fachkräfte diesen Einstieg?
Weil Fördern ohne Verstehen nicht wirksam ist. Wer ein Kind sprachlich unterstützen möchte, muss wissen, wie Spracherwerb funktioniert – welche Fähigkeiten erworben werden und wie sie miteinander zusammenhängen, welche Rolle Mehrsprachigkeit spielt, was Bildungssprache von Alltagssprache unterscheidet und warum dieser Unterschied für den Schulerfolg so entscheidend ist.
Viele Fachkräfte arbeiten intuitiv gut – aber sie können vielleicht nicht immer benennen, was sie tun und warum es wirkt. Genau das ist das Ziel der ersten beiden Module: ein gemeinsames Fundament schaffen, auf dem die konkreten Förderstrategien der späteren Module aufbauen können. Ohne dieses Fundament bleiben Methoden nur Techniken, mit diesem Wissen werden professionelle Entscheidungen im Förderprozess möglich.
Was können Fachkräfte nach der Weiterbildung, was sie vorher nicht konnten? Was ist der konkrete Unterschied im Alltag?
Sie können beobachten, einschätzen und handeln – in dieser Reihenfolge. Das klingt vielleicht simpel, ist es aber nicht. Alltagsintegrierte, adaptive Sprachförderung setzt voraus, dass eine Fachkraft den aktuellen Sprachstand eines Kindes kennt, ein individuelles Förderziel ableitet und dann im richtigen Moment die passende sprachliche Anregung gibt – nicht zu leicht, nicht zu schwer, immer angepasst an das, was das Kind als nächstes braucht. Und dabei ist der Blick immer darauf gerichtet, Kinder zur Auseinandersetzung mit ihrem Alltag anzuregen und dabei sprachlich herauszufordern.
Konkret heißt das beispielsweise, Fragen so zu stellen, dass sie Kinder zum Erzählen, Beschreiben, Begründen oder Nachdenken anregen. Statt Fragen, die lediglich mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können, eröffnen offene Fragen Räume für Gespräche: „Wie hast du das gemacht?“, „Was glaubst du, warum das passiert ist?“ oder „Wie könnte die Geschichte weitergehen?“. Solche Fragen regen Kinder an, Sprache produktiv einzusetzen und komplexere sprachliche Strukturen zu entwickeln.
Diese Weiterbildung trägt das pädquis-Zertifikat. Was garantiert das – und warum sollte eine Fachkraft darauf achten?
Das pädquis-Zertifikat steht für eine wissenschaftlich fundierte, qualitätsgesicherte Weiterbildung. pädquis forscht seit über 20 Jahren zur Prozessqualität in frühkindlichen Bildungseinrichtungen, das Zertifikat unterstreicht: Diese Weiterbildung basiert auf aktuellen empirischen Befunden, folgt einem kohärenten didaktischen Konzept und wurde von Expert:innen entwickelt, die die Praxis kennen.
Wenn Sie sich vorstellen, wie groß dieses Programm in fünf Jahren sein soll: Wie viele Fachkräfte sollte es erreicht haben?
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen – wenn jedes Kind in Deutschland die Chance haben soll, sprachlich gut begleitet in die Schule zu kommen – dann brauchen wir nicht hundert, sondern tausende Fachkräfte, die wissen, wie Sprachförderung wirklich geht. „Sprache im Fokus“ ist ein wichtiger, ganz konkreter Schritt in diese Richtung.
Hier geht es zur Anmeldung:
Sprachbildung professionell gestalten – mit pädquis-Zertifikat